Sparkasse Brixen (Hrsg.), Das Kanalisierungsprojekt für die Stadt Brixen, Druck von A. Weger, Hofbuchdruckerei, Brixen, 1889, S. 11
Abschrift ( mit Anpassung an die derzeitige Rechtschreibung): Kanal III, Derselbe beginnt in der Kreuzgasse bei Dr. Peer (heute ehemaliges
Zollhaus, Kreuzgasse Nr. 15), kreuzt den Stadtgrabenkanal (Kleiner Graben) und mündet an der rechten Seite der Erhartskirche in den
Kanal II. Er hat eine Gesamtlänge von 190 m, ein Gefälle von 0,60 % und wird wie die beiden anderen Kanäle hergestellt. Seine Notwendigkeit
gründet sich hauptsächlich darauf, daß die Reichsstraße am untern Teil der Kreuzgasse vor dem Stadttor beim Sonnenwirtshaus seit jeher
wegen Mangel an Abfluß nahezu bei jedem Regen unter Wasser gesetzt wurde. Die Kreuzgasse hat ein bedeutendes Gefälle und es gelangt
das Regenwasser sehr schnell herunter; der Wasserspiegel des Stadtgrabenkanales (am Kleinen Graben war damals ein offener Kanal) liegt
aber hoch, infolgedessen die bestehende Einleitung nicht funktioniert. Zudem führt dieser einen Teil des Wassers vom Schaldererbach zur
Wiesenbewässerung ab, wobei es sehr oft vorkommt, daß zu Zeit der Bewässerung infolge Rückstaues in den Wiesen die tiefer liegenden Theile
der Kreuzgasse unter Wasser gesetzt werden. Es ist demnach dringend geboten, die Ableitung des Wassers aus der Kreuzgasse von dem ohnedies
sehr verschlammten Stadtgrabenkanal unabhängig zu stellen. Dieser neue Kanal III ist weiters auch als Querkanal wegen Aufnahme und Abfuhr
des Grundwassers von Vorteil. Bei der Kreuzung mit dem Stadtgraben wird er aus hydraulischem Kalk hergestellt. Seine Sohle liegt unter dem
Straßenniveau: Beginn bei Dr. Peer (heute Kreuzgasse Haus Nr. 15) 4.52 m; Wehrstein bei Dr. Desaler (heute Hotel Goldenes Kreuz, Kreuzgasse
Haus Nr. 2) 3.10 m, Erhart's Benefizialhaus (heute Erhardgasse 1) 3.02 m. Einsteiggschächte bekommt er am Beginn des Kreuzwirtplatzes (heute
Platz und Einfahrt zwischen Kreuzgasse 4 und Kreuzgasse 6) und beim Wehrsteine des Hauses Nr. 123 (heute Hotel Goldenes Kreuz, Kreuzgasse
Haus Nr. 2)
Besonderheit: Die Kreuzgasse war damals auch gleichzeitig ein Teil der Reichsstraße (von Bozen über den Brenner). Der ganze Verkehr durch Brixen
ging über die Kreuzgasse, kreuzte den Kleinen Graben und ging durch das Kreuztor (Sonnentor).