Martin Schenk
Nach dem Waffenstillstand von Znaim (12. Juli 1809), als die österreichischen Truppen aus Tirol abberufen wurden und die Franzosen beinahe kampflos Innsbruck besetzen, trafen sich Peter Mayr und der Sternwirt Peter Kemenater aus Schabs beim Kreuzwirt Martin Schenk in Brixen zu einer Lagebesprechung (bekannt als "Dreischwur"). Sie beschlossen, Munition und Lebensmittel zu beschaffen, die Brixner Klause zu befestigen, die Ladritscher Brücke abzubrechen und auf den Höhen der Eisackschlucht Material für Steinlawinen aufzuschichten. Dort sperrte Peter Mayr mit Schützenkompanien aus dem unteren Eisack- und westlichen Pustertal die Eisackschlucht nördlich von Oberau ab und rieb am 4./5. August 1809 gemeinsam mit Josef Speckbacher die vor allem aus sächsischen Truppen bestehende Division Rouyer auf. Dieser Ort erhielt deswegen später den Namen Sachsenklemme.
(aus Wikipedia)
Reiserer Theodor, fotografiert im Hotel Goldenes Kreuz, Haus Kreuzgasse 4, Stiegenhaus zwischen 2. Stock und 3. Stock, 2014
Gedenktafel mit der Inschrift:
Der Erinnerung an die Kämfe in der Sachsenklemme am 4. u. 5. August 1809 an welchen die Bevölkerung der Gegend von Brixen
den hervorragendsten Antheil genommen
widmet der 1. Tiroler Andreas Hofer Verein in Wien dieses Gedenközeichen an dem Hause weiland des Gastwirtes Martin Schenk des
Vertrauten Andreas Hofers als der Stätte erfolgreicher Vorbereitungen jender Entscheidungskämpfe
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1809: Der "Dreischwur" beim Kreuzwirt in Brixen. Links Peter Mayr, Wirt an der Mahr, in der Mitte Martin Schenk, Kreuzwirt in Brixen, rechts Peter Kemenater, Wirt zu Schabs.
DER SCHWUR DER DREI
Dumpfe Trauer lastete auf dem Volke und unentschlossene Ratlosigkeit bemächtigte sich der tirolischen Führer, als Österreich infolge des Znaimer Waffenstillstandes am 13. Juli 1809 seine Truppen von Tirol abberief. Schier kampflos zogen 16 Tage später die Franzosen in Innsbruck ein. Der Sandwirt war aber entschlossen, die Heimat um keinen Preis aufzugeben. Bis zum letzten Blutstropfen sollte sie verteidigt werden und Hofers bekannte Laufzettel und Aufgebote schwirrten im Augenblick der größten Gefahr wieder durch das ratlose Land. Allenthalben eilten die Sturmführer an den Treffpunkten zusammen.
Unter diesen traten auch an jenem berüchtigten 2. August 1809 drei der bekanntesten Gestalten unserer Heimatgeschichte beim Kreuzwirt in Brixen zu einem Kriegsrat zusammen: Peter Mayr, der Wirt an der Mahr, Peter Kemenater, der Sternwirt von Schabs, und Martin Schenk, der Kreuzwirt von Brixen.
Tapfer ausharren, hieß ihr Gelöbnis, und unverbrüchliche Treue dem Sandwirt von Passeier. Die Ladritscher Brücke müsse abgebrochen werden, lautete ihr Beschluß, die Peißerbrücke mit Pech bestrichen und die Brixner Klause stark befestigt werden. Steinlawinen waren aufzuschichten, Munition und Lebensmittel zu beschaffen und der letzte Mann mußte heran aus den entlegensten Höfen, sollte der Heimat die schwer erfochtene Freiheit erhalten bleiben.
Ihr Vorhaben bekräftigten die drei Männer mit einem Schwur, welcher dem großen Tiroler Meister Albin Egger-Lienz als Gegenstand zu einem leider sehr wenig bekannten Ölgemälde diente. Egger-Lienz selbst nannte das Bild den „Schwur der Drei“.
Vorne (in Hemdärmeln) steht Peter Mayr, rechts (die Hand an der Stuhllehne) Peter Kemenater, oder wie ihn Andreas Hofer nannte, der "Schabser Peter ", im Hintergrunde (die Rechte zum Schwur erhoben) der vollbärtige Martin Schenk. Auf dem Tisch liegt ein Säbel, die rechten Hände der Männer sind über der Waffe ineinandergelegt.
(Das Bild, Öl, Leinwand, signiert, Größe 171 X 157, wurde in der 275. Auktion von A. Wawra in Wien am
14. Mai 1923 aus Privatbesitz versteigert.)
http://www.kemenaterschuetzen.com
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Martin Schenk in verschiedenen Quellen und verschiedener Literatur:
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… Unterschrift der Aufrufe aus Hofer’s Versteck in Passeyr, als der Kapuziner Haspinger, Speckbacher und Schenk den Aufstand im August nach der Evacuation wieder begannen. … S. 183
… Erst ganz zuletzt behielt in Hofer der Entschluß die Oberhand Alles abzuwarten und sich bis zu dem sehr nahe geglaubten Wiederausbruch der Feindseligkeiten in einer Höhle des Passeyerthales zu verbergen, aus der noch seine ersten Aufrufe (als am 3.und 4. August bei Mittewald schon wieder glücklich gefochten worden) mit der in ihrer Art einzigen Unterschrift erließ: Andere Hofer, dermal unwissend wo!“ Weit bestimmter und heftiger waren die Entwürfe seiner Adjutanten, Josef Eisenstecken, des Kapuziners Joachim Haspinger, des Kreuzwirths zu Brixen Martin Schenk, des Wirths in der Mahr bei Brixen, Peter Mayer….. S. 361
….
Zehntes Kapitel
Unberechenbares Wiederaufflammen des Volksgeistes. – Des Kapuziners Segen über die drei tyroler Eidgenossen, Peter Mayer, Martin Schenk und Peter Kemmater. – General Buol noch ob Brixen und schon wieder das erste Gefecht bei Mittewald. – Speckbacher’s Rückkehr. – Die Sachsenklemme. - ….(S. 397)
... An dem Tage, als General Buol, gewarnt vor den Anschlägen auf die Freiheit seiner Entschlüsse, auf sein Geschütz, auf seine Truppe, diese ganz unvorbereitet durch den Generalmarsch aus den zerstreuten Quartieren zusammenberufen ließ und auf den Höhen von Schabs concentrirte, am 2. August, als Lefebvre’s Avantgarde, die Sachsen, bereits Sterzing erreichten, kam der Kapuziner (von diesem Tage an immer nur der Rothbart genannt) nach Brixen. Das Wirthshaus zum Kreuz war das Rütli, wo drei Männer, ungelehrt, wenig geübt, von hoher Einfalt, aber stark im Gemüth, die Hände und die Herzen zusammenflochten, das aufgegebene, preisgegebene Vaterland noch einmal zu retten vom Fremdlingsjoch, aus der allgewaltigen Hand des Tyrannen der Welt, und auf den Leichen der Feinde, die jetzt stolz und zahlreich und rachelechzend von allen Enden heranzogen, es noch einmal hoch und laut in die Lüfte flattern zu lassen das Banner des Aufstandes und der Selbsthülfe, als ihnen Niemand mehr half, als sie selbst und der alte Gott!
„Wir schlingen unsere Händ‘ in einen Knoten,
Zum Himmel heben wir den Blick und schwören;
Ihr Alle, die ihr lebet , sollt es hören;
Und wenn ihr wollt, so hört auch ihr’s , ihr Todten! –
Wir schwören: Stehn zu wollen den Geboten
Des Lands, deß Mark wir tragen in den Röhren,
Und diese Schwerter, die wir hier empören,
Nicht eh’r zu senken, als vom Feind zerschroten.
Wir schwören, daß kein Vater nach dem Sohne
Soll fragen, und nach seinem Weib kein Gatte,
Kein Krieger fragen soll nach seinem Lohne,
Noch heimgeh’n, eh‘ der Krieg, der nimmersatte,
Ihn selbst entläßt, mit einer blut’gen Krone,
Daß man ihn heile, oder ihn bestatte!“
Diese drei Männer waren: Martin Schenk, Kreuzwirth zu Brixen, der Vertraute des Sandwirths Hofer und Eisenstecken’s , kurz vorher von ihnen abgesendet, das ganze Pusterthal entlang, zum geheimen Aufgebote des Landvolks gegen den Abzug des Militairs, ein junger, gedrungen kraftvoller Mann, von einer fürchterlichen Entschlossenheit, rastlos thätig bei Tag und Nacht, fröhlich und lebensfroh, weit und breit der Berühmteste in allen Arten des Nationaltanzes; - … S. 402 – S. 403
…. Des andern Morgens avancirte der General (Rouyer) über Trens und Mauls gegen Mittewald. – Hier fand er die erste Barricade, die nach einigem Widerstand von den wenigen Tyrolern, kaum 70 Mann, verlassen wurde. Ebenso ging es bei noch einigen leichten Verhauen bis über Oberau hinaus, wo aber die Brücke verbrannt und die Ufer von etwas zahlreicheren Insurgenten (Aufständischen) besetzt waren, die ein mörderisches Stutzenfeuer auf die Sachsen richteten und zugleich in diesem nirgend über 250 Schritte breiten Thal ihre fürchterlichen Holzrisse losließen. Es hatten nämlich die Tyroler viele Lärchenbäume gefällt und verbunden, die Zwischenräume mit Erde gefüllt und darüberhin großes Steingerölle übereinander gethürmt, das auf jenen Bäumen über dem steilen Abhange ruhte. Eben drang eine starke Colonne im Sturmschritt gegen die Brücke. Die zähen Zweige, welche die ganze Last hielten, wurden nun plötzlich abgehauen, der Berg fing an zu wandeln, mit dumpfem Donner und Wolken von Staub, und dann war Todtenstille in dem schwülen Sommermittag, nun wieder einen Augenblick der kurze Schrei aller der Unglücklichen, die entweder unter der Last begraben oder über die schmale Straße hinunter in den Strom geschleudert wurden, das Geprassel des Hinuntersturzes in den Eisack, das Branden und Aufplätschern des plötzlich aufgehaltenen und darob selbst erschrockenen Waldstromes.
Die braven Sachsen hörten verschiedentlich von einer Ecke, hoch über ihnen, schreien: „Soll i ? Soll i ?“ – und von der andern antworten: „No nit ! No nit, „ aber wenige Minuten darauf: - „Hiesel, hau‘ ab ! „ –
Da hob der Berg zu dröhnen und zu wandern an,
Und ging, als wie ein rollend Weltgericht
Hinunter in die Tiefe! – Alsobald
Klang ein schrecklich Wimmern aus dem Schlunde,
Geschrei und Heulen, wie dicht bei uns, tönte.
D’rauf stieg ein Dampf empor und rollte qualmend,
Die Schlucht bedeckend, bis zu unsern Füßen.
Wir aber schossen durch den Dampf hinab,
Daß, wer noch lebt‘, empfing‘ vom Blei sein Grab!
Diesen ersten Tag waren Anfangs nur einige siebenzig Tyroler beisammen, stündlich anwachsend, unter dem Kapuziner, unter Peter Kemmater, Martin Schenk und dem Wirth in der Mahr, doch selbst Abends als sie wieder auseinanderliefen, nicht volle 600 …. S. 408 – S. 410
Textauszüge(mit alter Rechtschreibung beibelassen) mit Bezug „ Martin Schenk“, „Kreuzwirt Brixen“ in:
Brockhaus F. A., Geschichte Andreas Hofer's, Sandwirths aus Passeyr, Oberanführers der Tyroler im Kriege von 1809, Das Land Tyrol und der Tyrolerkrieg von 1809, 2. Theil, Leipzig 1845,
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Peter Mayr wurde am 15. August
1767 am Köhlhof in Siffian am
Ritten geboren. Er stammte aus
einem angesehenen Bauerngeschlecht,
dem Kaiser Karl V. 1555
als Dank für geleistete Dienste ein
Wappen verliehen hatte. Die Mayr
hatten immer wieder das Richteramt
innegehabt; Peter Mayrs Vater,
ebenfalls Peter mit Namen,1
hatte noch als letzter Blutbannrichter
am Ritten im Jahr 1772
die Magd Rosina Oberrauch, die
ihr uneheliches Kind getötet hatte,
zum Tode verurteilt. Trotz des
wohl noch recht dürftigen Unterrichtes
in der Volksschule in
Lengmoos (die Schulpflicht hat
Maria Theresia 1774 eingeführt,
als Peter Mayr sieben Jahre alt
war) eignete er sich ausgezeichnete
Schreibkenntnisse an.
Als zweitältester von vier Buben
musste Peter Mayr vom Hof
weichen und sich auswärts eine
Existenz aufbauen. Er übernahm
1795, im Alter von 28 Jahren, das
Gasthaus „Zum Weißen Kreuz“,
im Volksmund „Schoberhof “
genannt, an der Brennerstraße
in Schrambach. 1799 vermählte
er sich mit der 15-jährigen
Maria Kreszenz Fuchs aus Gries
am Brenner, die er an ihrem Arbeitsplatz
als Kellnerin in Atzwang
kennen gelernt hatte. 1804
kaufte Peter Mayr das Wirtshaus
in der Mahr südlich von Brixen
und konnte bereits zwei Drittel
des Kaufpreises bar bezahlen,
während für den Rest sein Vater
bürgte. Als Gastwirt, Bauer und
Pferdehändler genoss Peter Mayr
Ansehen bei Land- und Stadtbevölkerung,
die sich in seinem
Gasthof trafen.
Der Tiroler
Freiheitskampf
Wie viele andere Wirte spielte
auch Peter Mayr eine bedeutende
Rolle im Tiroler Freiheitskampf
gegen Frankreich und dessen
Bundesgenossen. Schon am 3.
April 1797 bewährte er sich als
Anführer der Rittner Schützen
im Gefecht auf dem Grumeregg
gegen eine französische Abteilung.
Nach der Abtretung Tirols
an Bayern Ende 1805 wurde das
Wirtshaus in der Mahr zu einem
Treffpunkt der Tiroler, bei denen
die Empörung über einschneidenden
Reformen, neue Steuern,
Abschaffung alter Rechte, Verbote
religiösen Brauchtums und
das überhebliche Verhalten der
bayerischen Beamten wuchs. Im
12
Eisacktal sorgte insbesondere Johann
Theodor von Hofstetten, seit
Dezember 1805 Kreishauptmann
für das Pustertal, seit 1807 „Spezialkommissär
für geistliche Angelegenheiten
über die Landgerichte
Bozen, Meran, Fürstenburg, Klausen
und Brixen“ und seit 1808 Regierungsdirektor
des Eisackkreises,
durch seine unnachgiebige
und überhebliche Vorgangsweise
für Unmut. Dass er Kirchen
grundsätzlich mit dem Hut am
Kopf und der Pfeife im Mund betrat,
empörte die Bevölkerung im
Eisacktal beinahe ebenso wie die
Plünderung von Kloster Neustift
oder die Aufhebung des Brixner
Priesterseminars.
Im „Schmiedhäusl“ neben dem
Mahrwirtshaus fanden geheime
Zusammenkünfte zur Vorbereitung
des Aufstandes statt, an denen
auch Andreas Hofer teilnahm,
so beim „Bauernkonvent“ am 25.
November 1807. Als dann Anfang
April 1809 der Aufstand losbrach,
war Peter Mayr an den beiden
ersten Befreiungen des Landes
im April und im Mai beteiligt. In
den beiden Bergiselschlachten am
25. und 29. Mai befehligte er die
Pfeffersberger. Ebenso bedeutend
wie seine militärische Rolle war
in dieser Zeit seine politische als
gewählter Vertrauensmann der
Stadt und Umgebung von Brixen.
Bei der dritten Befreiung Tirols,
der eigentlichen Ruhmestat von
1809, wurde Peter Mayr dann zu
einer entscheidenden Führerpersönlichkeit.
Nach der Niederlage
von Wagram hatte Erzherzog Karl
im Waffenstillstand von Znaim
(11. Juli 1809) Napoleon die militärische
Räumung Tirols zusagen
müssen. Nach dem Abzug
der regulären österreichischen
Truppen waren die Tiroler auf
sich allein gestellt, viele verzagten
und wollten den Kampf aufgeben.
Nichts schien die französischen
und bayerischen Truppen aufhalten
können, die beinahe kampflos
in Innsbruck einrückten und sich
anschickten, auch den Süden des
Landes zu besetzen. In dieser aussichtslosen
Lage trafen sich am 2.
13
August 1809 der Mahrwirt Peter
Mayr und der Sternwirt Peter Kemenater
von Schabs beim Kreuzwirt
Martin Schenk in Brixen. In
ihrem als „Schwur der Drei“ bekannten
Treffen gelobten sie sich
Treue im Kampf um die Freiheit
Tirols und bereiteten den Widerstand
in der Sachsenklemme vor,
der die entscheidende Wende
brachte. Die Tiroler konnten am
4. und 5. August unter der Führung
von Peter Mayr, Pater Joachim
Haspinger und Josef Speckbacher
die vor allem aus Sachsen
und Thüringern bestehende Division
Rouyer, die von Innsbruck
nach Süden durchstoßen wollte,
nördlich von Franzensfeste zurückwerfen
und ihr schwere Verluste
zufügen. Von 2000 Soldaten
waren 1000 gefallen oder, zumeist
verwundet, in Gefangenschaft
geraten. Die Tiroler hatten kaum
100 Mann verloren. Dieser beachtliche
Erfolg (wie auch der
ähnlich verlaufene Kampf bei der
Pontlatzer Brücke im Oberinntal)
rüttelte das ganze Land auf und
ließ die Zahl der Kampfeswilligen
rasch wieder ansteigen.
Auch Marschall Lefebvre, der
mit 7000 Mann den Durchbruch
nach Süden doch noch erzwingen
wollte, scheiterte nach erbitterten
Kämpfen in der Gegend von Sterzing
und zog sich schließlich nach
Innsbruck zurück. Der tagelang
anhaltende Widerstand der Tiroler
wäre nicht möglich gewesen,
wenn Peter Mayr nicht den Nachschub
bestens organisiert hätte.
Der verfolgte Lefebvre musste sich
am 13. August bei Innsbruck zum
Kampf stellen. Diese dritte Bergiselschlacht,
in der Peter Mayr mit
Pater Haspinger das Zentrum
kommandierte, endete mit einem
Aufsehen erregenden Erfolg der
zahlenmäßig unterlegenen Tiroler
gegen die erfolgsgewohnten
Franzosen und Bayern. Marschall
Lefebvre musste abziehen, Tirol
war wieder frei.
Der zum Unterkommandanten
ernannte Peter Mayr widmete sich
in der folgenden Zeit der Regentschaft
Hofers der Hilfe für die vom
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Krieg schwer getroffene Bevölkerung
vor allem im Unterinntal.
In Brixen betrieb er die Wiedererrichtung
des Priesterseminars.
Mit dem am 14. Oktober 1809 in
Wien geschlossenen Frieden, der
die Abtretung Tirol bestätigte,
hatte Napoleon aber die Hände
frei, um Tirol mit einem gewaltigen
Truppenaufgebot endültig
zu unterwerfen. Die vierte Bergiselschlacht
am 1. November 1809
war angesichts der Übermacht
der Feinde rasch verloren. Viele
Landesverteidiger sahen die Sinnlosigkeit
weiteren Widerstandes
ein und gaben auf, Andreas Hofer
selbst schwankte zwischen Aufgabe
und Fortsetzung des Kampfes.
Letzter Widerstand
Peter Mayr trat unter dem Einfluss
des Fanatikers Johann von
Kolb auf die Seite der Kriegspartei
und wirkte in diesem Sinne
auf Hofer ein. Mayr sammelte
Anfang November ein neues Aufgebot
im Eisacktal und versuchte
mit 600 Mann den durch das
Pustertal ins Land dringenden
General Rusca bei der Mühlbacher
Klause aufzuhalten. Nach
dreistündigem Kampf, in dem die
Franzosen rund 500 Mann verloren
und General Rusca selbst
erheblich verletzt wurde, gelang
den Franzosen die Umgehung der
Klause und Peter Mayr musste
die Stellung räumen. Die Tiroler
hatten nur sechs Mann verloren.
Während die Franzosen nun alle
Talstraßen und Städte besetzten,
zogen sich die Tiroler in die Berge
zurück, gaben aber noch nicht
auf. Unter Druck erließ Hofer
am 15. November seinen letzten
Kampfaufruf, Peter Mayr eilte am
19. November zu ihm und erfuhr
von den Siegen gegen die Franzosen
in Passeier und bei Meran.
Angesichts dieser Erfolge waren
sich Hofer und Mayr einig, dass
es doch einen Sinn habe weiterzukämpfen
und auszuharren bis die
Hilfe Österreichs, an die sie immer
noch fest glaubten, eintreffe.
Mayr versprach, das Eisacktal und
das Pustertal zu halten, zumal laut
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den Fantasien Kolbs der Feind
sich bereits hinter Lienz zurückziehe.
In der Brixner Gegend, die unter
den Requirierungen der Franzosen
besonders zu leiden hatten,
fanden die Aufrufe von Mayr
und Kolb wieder Gehör. Die Tiroler
schlossen General Moreau
mit 2000 Mann in Brixen ein
und vertrieben die französischen
Garnisonen aus Klausen und
Mühlbach. Mayr versuchte am 25.
November sogar einen Sturm auf
Brixen, den er aber wegen mangelnder
Unterstützung aufgeben
musste. Danach aber zog er sich,
wohl auch wegen der eindringlichen
Friedensmahnungen von
Fürstschischof Karl Franz von
Lodron, vollkommen aus dem
Geschehen zurück, während Kolb
die Führung in die Hand nahm.
Bis zum 6. Dezember belagerten
die Bauern unter Führung von
Kolb Brixen und zogen den Ring
um die Stadt immer enger. Am 6.
Dezember kam jedoch General
Severoli, der am 5. Dezember in
einem verlustreichen Gefecht die
Schanzen bei Schloss Branzoll in
Klausen überwunden hatte, mit
2400 Mann aus Bozen den Eingeschlossenen
zu Hilfe. Die Tiroler
wichen überall zurück, nur bei
Krakofel leisteten sie noch heftigen
Widerstand und fügten den
Franzosen erhebliche Verluste
zu. Die Rache von General Severoli
war schrecklich. Er ließ rings
um Brixen 150 Höfe und Ansitze
in Brand stecken, die Bewohner
mussten sämtliche Habseligkeiten
in den Häusern lassen und zusehen
wie sie verbrannten. In Vahrn
wurde dabei das junge Besitzerehepaar
des Gallhofes erschossen.
Nun richtete sich die Verfolgung
gegen alle, die in der zweiten Novemberhälfte
und Anfang Dezember
noch gekämpft hatten. Vizekönig
Eugene Beauharnais hatte
am 12. November verkündet, dass
jeder, der fünf Tage nach dieser
Kundmachung noch mit der Waffe
in der Hand angetroffen werde,
erschossen werde. Mehrere Aufständische,
die bei den letzten Ge
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fechten um Brixen in Gefangenschaft
geraten waren, wurden in
Bozen erschossen, 30 von ihnen
wurden zu lebenslänglicher Festungshaft
verurteilt und starben
meist in den Gefängnissen. Drei
Führer der Aufständischen, Johann
Kircher von St. Leonhard,
Bartlmä Pichler von Milland und
Ignaz Haller von Neustift wurden
am Brixner Domplatz erschossen,
auf Kolb und Mayr
wurde ein Kopfgeld ausgesetzt.
Festnahme
und Verurteilung
Während Kolb flüchtete, versteckte
sich Mayr beim Loaterer in
Feldthurns, nur wenig oberhalb
seines Wirtshauses in der Mahr.
Obwohl in Feldthurns fast jeder
davon wusste, dauerte es doch einige
Wochen, bis sich ein Verräter
fand, und zwar der Wöhrmaurer
namens Johann Pichler. Am 8.
Februar 1810 wurde Peter Mayr
festgenommen und am nächsten
Tag in die Fronfeste St. Afra nach
Bozen gebracht. Ein Kriegsgericht
verurteilte Peter Mayr am 14. Februar
zum Tod. Seine mit den
Kindern herbeigeeilte, schwangere
Frau flehte den kommandierenden
General Louis Baraguay
d’Hilliers um Gnade an. Dank der
Fürsprache von Baraguays deutscher
Frau und deren Freundin,
der Boznerin Maria Anna von
Giovanelli, hob der General das
Urteil unter dem Vorwand eines
Formfehlers auf. Es war ihm wohl
auch daran gelegen, die Sympathien
der Bevölkerung zu gewinnen
und Unruhen zu vermeiden. Peter
Mayr wurde über seinen Anwalt
Dr. Voltolini nahegelegt, zu erklären,
er habe vom Erlass des Vizekönigs
vom 12. November keine
Kenntnis gehabt. Trotz aller Bitten
seiner Frau, seiner Verwandten
und seines Verteidigers lehnte
er dies ab. „Ich will mein Leben
nicht durch eine Lüge erkaufen“,
soll er zu seiner verzweifelten
Frau gesagt haben. Bei der neuerlichen
Verhandlung am 19. Februar
sagte Peter Mayr aus, er habe
vom Wiener Frieden und dem Er
lass des Vizekönigs wohl gewusst,
es aber nicht geglaubt. Das Urteil
lautete auf Tod durch Erschießen.
Es wurde am folgenden Tag, 20.
Februar 1810, um die Mittagszeit
auf der Holzreife etwa 180 Meter
nördlich der Talferbrücke an der
Grieser Wassermauer vollstreckt.
Laut Bericht der „Münchner politischen
Zeitung“ vom 5. März
1810 ging Peter Mayr ruhig, ein
Kruzifix in der Hand, von einer
großen Menge Volkes begleitet,
auf den Richtplatz. Er starb am
gleichen Tag und beinahe zur
gleichen Stunde wie sein Oberkommandant
Andreas Hofer in
Mantua. Seinem Beichtvater hatte
Peter Mayr vorher aufgetragen,
die Bewohner von Brixen und
Umgebung, die seinetwegen unglücklich
geworden waren, um
Vergebung zu bitten. Mit einem
Fuhrwerk wurde Peter Mayr in
einer Penne (Korb) ins Spital gebracht.
Dort wurde er aufgebahrt
und noch am gleichen Abend am
damaligen Friedhof neben der
Pfarrkirche beerdigt.
Erinnerung
an Peter Mayr
Schon bald wurde Peter Mayr
im Bewusstsein des Volkes zum
Märtyrer der Wahrheit, um den
sich verschiedene Legenden
rankten. Von offizieller Seite
wurde die Tiroler Volkserhebung
von 1809 zunächst totgeschwiegen,
weil man es in der neoabsolutistischen
Metternich-Ära
gar nicht gerne sah, dass das
Volk sein Schicksal in die eigene
Hände genommen und gegen
die staatliche Autorität rebelliert
hatte, auch wenn es ein feindlicher
Staat war. Erst ab der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts
wurde die Erinnerung an den
Freiheitskampf immer mehr gefördert
und als Beweis der Anhänglichkeit
der Tiroler an das
Haus Habsburg gedeutet. An vielen
Orten wurden Gedenktafeln
und Denkmäler errichtet. Vor
allem um die Jahrhundertwende
entstanden zahlreiche Denkmäler
für die Helden von 1809, so
auch für Peter Mayr.
Festschrift zur Wiedererrichtung des Peter Mayr Denkmals in Bozen
21. Februar 2010
Herausgeber: Schützenkompanie Bozen
Druck:Europrint OHG - Vahrn
http://www.skbozen.com/peter-mayr/einweihung/festschrift.pdf
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Quelle: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
©2003–2013 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-7001-3213-4
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 292
Kemenater, Peter Johann (1783-1829), Tiroler Freiheitskämpfer
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